18.März – So richtig tourimäßig unterwegs

Der Titel sagt es: Wir haben heute alle Klischees bedient und sind zu Max Freude noch einmal mit dem roten Bus unterwegs gewesen. Dabei war auch eine kleine Bootstour auf einem künstlichen Kanal inHafennähe. Dieser Wasserweg führt durch eine exklusive Wohn- und Hotelanlage an der Waterfront.

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Wer mag, kann seine Yacht hier gleich vor der eigenen Terrasse parken. Das hat doch was, oder?! Ich bin etwas verstört: Diese wahnwitzige Dekadenz auf der einen und die Townships nur ein paar hundert Meter auf der anderen Seite. Die angebotenen Township-Touren (auch unser Reiseveranstalter hat im weiteren Verlauf eine für uns geplant) machen wir Schwierigkeiten. Das ist doch kein Zoo! “Ach guck ma Uschi – da wohnen ja echt arme Leute!” – “Ja sowas Karl-Uwe, die haben ja nicht mal fließend Wasser, aber schau die süßen Kinder!”… Man könnte argumentieren, dass die Townshipbewohner, Schulen, oder sonstwas bestimmt (aber weiß man das sicher?!) an den Gewinnen beteiligt werden, aber ich habe ein blödes Gefühl dabei.

An der Waterfront spielt Max vor dem Nelson Mandela Gate (von hier wurde Mandela nach Robben Island überführt) auf einem schönen Spielplatz zu Füßen eines pittoresken knallroten Turms am Wasser.

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Auch Töchting robbte eifrig über den Kunstrasen und fand die Möwen prima. Paule weniger, aber Schätzelein! Das bringt Glück!!! Die kleine Madame findet Frühstücken übrigens blöd. (Es ist auch etwas ungünstig – es gibt keinen Hochstuhl). Sie zeterte etwas herum und zu unserem Erstaunen, grinst sie die Hotelmitarbeiterin an, die sie hoch hebt und herzt. Sehr süß! Die Entscheidung, keinen Kinderwagen mitzunehmen, bereuen wir bis jetzt übrigens nicht. Im Tragetuch schläft sie heute beispielsweise zufrieden zwei Stunden am Stück, die kleine Motte. Auf unserer Tour fahren wir auf der Rückseite des Tafelbergs an den “Kirstenbosh Gardens” entlang. Ein riesiger botanischer Garten. Hier ist es so grün, dass es fast in den Augen schmerzt. Die geschützte Rückseite es Berges bietet unfassbar vielen Pflanzen Schutz und die Weinberge beginnen hier schon.

Ich habe mir gewünscht, mal ein paar Straßenzüge zu laufen und den Stadtteil Bo-Kap zu sehen. Viele werden das hier schon einmal auf einer Postkarte gesehen haben:

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Wären die Häuser alle nur fad weiß, beige und grau, wäre es völlig uninteressant, aber angesichts dessen, sollte man doch unbedingt mal einen Häuseranstrich überdenken, oder?! Und so ein Hausnummernschild!!!

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Max kann sich nicht für ein Lieblingshaus entscheiden. Mal ist es ein quetschgrünes, dann ein knallorangenes, dann ein lavendelblaues. Ich nehme das senfgelbe mit den lilanen Fensterläden!

 

17.März – Der Tafelberg

Da waren wir drauf! Man muss ja wissen: Mit dem Tafelberg ist das so eine Sache. Der Berg scheint eine Diva zu sein und nur wer sich genug Zeit nimmt, wird auch mit seinem Anblick von unten und dem Ausblick von oben belohnt. Wichtig: Wer ihn sehen will, sollte sich mehr als zwei Tage Zeit in Kapstadt nehmen, denn der Berg hüllt sich tatsächlich gerne in Wolken. Und da geht dann nichts.

WO ISSER DENN???

 

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Wir hatten in unserer Zeit in Kapstadt Glück und durften diesen verflixt beeindruckenden Felsen gebührend bewundern. Bei freier Sicht konnten wir in die Seilbahn klettern und hoch fahren. Wer jetzt sagt “Ihr faule Bande! Solo hoch ist der doch nicht – warum seid ihr nicht hoch gelaufen?!” dem sei gesagt: Es ist verflixt steil! Unser höchster Respekt galt den paar Leuten, die das zu Fuß gemacht haben. In großen Teilen muss man da wohl eher klettern als wandern. Mit dem Tafelberg im Rücken sah die Stadt gleich noch einmal ganz anders aus. Sonst verhüllte sich der Berg ja die ersten Stunden.

DA!

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Natürlich waren hier ein Haufen Touris, aber oben verläuft es sich dann schön. Über den Atlantik kann man bis Cape Point blicken – also den südwestlichsten Punkt Afrikas, zu dem auch das Kap der Guten Hoffnung gehört. Man stelle sich das mal vor: Nach Unmengen von Wasser ist das Nächste, was da kommt, die Antarktis!

Hier der Blick auf den “Lions Head”, die Stadt und Robben Island.

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Es sind auffällig viele deutsche Touristen unterwegs und wir verfallen in einen Reflex: Sobald sich Erna und Hansi nähern, verstummen wir und versuchen bloß nicht, als ebenfalls Deutsche enttarnt zu werden. Warum tut man das? Warum findet man die meisten anderen Deutschen so peinlich? Warum will man sich so wahnsinnig verwegen und individuell bei seiner Reise fühlen und ist – natürlich! – doch nur einer von Vielen? Tja… Da hätten wir wohl mit dem Rucksack durch Nepal wandern müssen oder so.

Unsere Tagestour began – so richtig schön touristisch – mit einem “Hop on – Hop Off-Bus” wie es sie auch in Berlin, Barcelona und vielen anderen Städten gibt. Praktisch: Man kommt viel rum, bekommt dabei einiges erklärt und kann immer wieder aus- und einsteigen. Max findet den knallroten Doppeldecker natürlich klasse. Auf der Tour kommen wir auch an den schönen Stränden von Camps Bay vorbei. Das Wasser soll allerdings eiskalt sein. Aber wer schon im Golf of Maine war, den sollte das doch nicht schocken, oder?! Im Wasser sind allerdings nur Surfer in Neopren zu sehen.

Mittagessen gab es im “Table Mountain Café” auf dem Gipfel des Tafelberges. Kantinencharakter, Abfütterung von hungrigen Europäern, Asiaten und Amis. Paule verspeist erstmals “ostrich” – also Strauß und beurteilt ihn als “ok” – also unspektakulär. Max findet seinen Papa Seeheim verwegen.

Ein Wort zu den Preisen und Lebenshaltungskosten: Es ist alles sehr günstig! Für dieses Mittagessen bezahlen wir – wohl bemerkt AUF dem Tafelberg, touristischer geht es kaum – 250 Rand, also rund 25€ inklusive Getränken für uns vier. Abends an der Waterfront in Bestlage inklusive Wein für Paule und Dessert für mich 35€. Das erklärt wohl auch die vielen deutschen Touristen, denn ohne Zeitverschiebung kommt man hier in mildes Klima und an billige Verpflegung – das könnte sogar günstiger sein, als die Kanaren.

Als alkoholfreies Bier bekomme ich hier übrigens nur “Beck´s Blue” – Schande! Keinerlei regionales alkoholfreies Bier! Ist ohne Alkohol unter der Würde der südafrikanischen Brauer? Das ist jedenfalls Ottos Erklärung.

Ein Phänomen sind die Taxifahrer, denen WIR (na anderthalb Tagen in Kapstadt!) den Weg nach Seapoint zu unserer Unterkunft erklären müssen. Und ich dachte immer, für eine Taxilizenz muss man den Stadtplan pauken – oder wenigstens ein Navi dabei haben… Der erste Taxifahrer ist sehr nett, der zweite etwas gruselig und fährt wie ein Henker. Na danke! Sind ja nur zwei Kinder ohne Kindersitz mit an Bord…

Wir haben einen Spielplatz in Green Point besucht. Die Anlage wurde im Rahmen der Fußball WM in Südafrika vor vier Jahren angelegt. Es fällt sehr auf, dass man fast ausschließlich weiße Kinder – vereinzelt mit schwarzen Nannys – sieht. Auch Gruppen von Menschen sind fast immer schwarz oder weiß. Nur Schulklassen sind durchmischt. Seltsam…

MAX, WAS HAT DIR HEUTE AM BESTEN GEFALLEN? “Das mit dem Tafelberg!” – denn so eine sich drehende Seilbahngondel ist natürlich schon ein Knaller!

16.März – Hallo Kapstadt

Die im “Angekommen”-Beitrag beschriebene schöne Dachterrasse gehört zum “Sweet Berries Guesthouse”, in dem wir untergekommen sind. Eines vorweg: Unbedingte Weiterempfehlung! Das Set Berries verteilt sich auf vier oder fünf Häuser, die alle im Stadtteil Seapoint liegen. Wir sind im “Sweet Ocean View” untergebracht. Auf der einen Straßenseite das Haupthaus, in dem drei Gästezimmer, ein gemütlicher Frühstücksraum und die tolle Dachterrasse untergebracht sind, auf der anderen Seite drei zuckersüße kleine Häuser in knalligen Farben. Als uns Moses unser Zimmer zeigt, sind wir erstmal platt: Wir können ein riesiges Wohnzimmer mit offener Küche und einen netten Außenbereich zusätzlich nutzen und da das zweite Zimmer in dem Haus nicht belegt ist, schwelgen wir im Platz. Das Haus ist toll eingerichtet – afrikanisch lässig. Sohnemann ist begeistert und hat ein tolles eigenes Bett. Von der Dachterrasse kann man auf den Atlantik und den “Lions Head” – ein Berg neben dem berühmten Tafelberg – sehen, Paraglider bewundern und sogar – bei klarer Sicht – die Bergstation der Tafelberg-Seilbahn erkennen.

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Am Ankunfts-Abend staunen wir dann nicht schlecht, als bei unserer Rückkehr nach einem ersten Erkundungsgang plötzlich ein Typ auf dem Sofa unseres Hauses sitzt, der es nicht für nötig hält, etwas anderes als “Hi” zu sagen. Äääähhh – Hallo?! Wer bist du?! Ich hab dann mal nachgefragt, ob er das andere Zimmer hat und ja: Das Zimmer ist doch noch vergeben worden. Schade… Man gewöhnt sich halt doch schnell an unerwarteten Reichtum. Das Beste war dann aber, dass er sich nachts unfassbar brüllend mit seiner Schnecke stritt. Ist ja nett, wenn da temperamentvoll Dispute ausgetragen werden, aber muss man das in einem hellhörigen Häuschen machen, wenn nebenan eine Familie versucht zu schlafen?! Die anderen Martins haben es zum Glück verpennt und ich eine Stunde lang meinen leichten Schlaf verflucht. Super!

Der erste Tag begann mit einem super Frühstück mit anderen Gästen zusammen an einem großen Tisch. (Nein, das zoffende Pärchen war nicht anwesend). Nach der Stärkung holte uns Miguel ab – kein Spanier, sondern ein Afrikaner, der mit uns eine längere Tour durch Kapstadt machte. Wir besuchten das “Castle of Good Hope”, eine alte Festung der Holländer, das Citycenter, die Company Garden (wo die Holländer und später die Briten ursprünglich Obst und Gemüse für die Schiffsbesatzungen anpflanzten), den Green Market (wo einfach nur unfassbar viel Souvenierschrott verkauft wird) und schließlich die Waterfront.

Miguel war super! Nett mit den Kindern, er erklärte viel und war interessiert am Gespräch. Wir fühlten uns sehr sicher mit ihm, den vor diesem ersten Spaziergang durch die Innenstadt waren wir doch noch unsicher – wie fühlt sich Kapstadt an? Wird man viel angequatscht? Fühlt man sich unwohl? Aber mit einem einheimischen Guide war man natürlich frei von all dem. Alleine an der Waterfront war es eh sehr touristisch und unspektakulär. Im Company Garden fütterte Miguel mit Max die frechen Eichhörnchen mit Nüssen und zeigte ihm einen tollen Spielplatz mit schaukelnden Baumhäusern, die unser Großer natürlich klasse fand. Er erklärte viel über die Zeit der Apartheid (übrigens: Wer wusste, dass Apartheid das Afrikaans-Wort für “Getrenntsein” ist?!) und die verschiedenen Rassen und Stämme in Afrika. Südafrika ist wahnsinnig multikulturell. 11 Sprachen werden hier gesprochen – neben Englisch, Afrikaans (das wie eine Mischung aus Englisch und Niederländisch klingt) und Xhosa auch zum Beispiel Zulu. Nelson Mandela wird verehrt und ist auch zwei Jahre nach seinem Tod überall präsent. Die Leute nennen ihn “Tata” – was so viel wie Papa bedeutet, oder bei seinem Clan-Namen “Madiba”. Die Trennung der Menschen ist noch nicht lange her – gerade einmal 20 Jahre. Und es braucht wohl noch zwei, drei Generationen, bis es wirklich ein gemeinsames Leben gibt. Man hat nur wenig Schwarze und Weiße zusammen gesehen, also beispielsweise an einem Kneipentisch. Man stelle sich das mal vor: Ein herunter fallender Bleistift entschied am Highcourt darüber, ob man weiß oder schwarz war. Das war ein ausgeklügelter Test. Nicht etwas die Hautfarbe war ausschlaggebend. Wer unbequem war, konnte auch als Weißer denunziert werden. Es gab getrennte Busse, Schulen, Parkbänke…

Nach der Tour spazierten wir an der Waterfront entlang. Das Hafengebiet ist der “Fisherman´s Wharf” in San Francisco sehr ähnlich. Im “Two Oceans Aquarium” bestaunten wir Joshi die Riesenschildkröte (Mann! War die lässig!), fies drein blickende Haie und mutige Taucher, die im Haibecken die Scheibe von INNEN putzten (auch ein blöder Job, oder?!). Auf dem Riesenrad amüsierte sich Max über seine Mutter, die beim scharfen Wind und der knarzenden Gondel etwas die Hosen voll hatte (aber die Aussicht war super!). Abends gab es im Food Market – eine Ansammlung internationaler Buden – für (Brei-Fetischisten lesen hier mal weg) Emma, Max, Paule und mich indische Samosas und spanische Empanadas, indisches Sandwich und tunesichen Burger. Ja auch Emma hat da geknuspert! Ich bin begeistert, was die Kinder alles probieren! Max hat ja schon mit 11 Monaten in einem indischen Imbiss in Hongkong seine Liebe zu indischem Essen entdeckt – aber ich finde es immer wieder cool, wenn der Knirps “Chicen Tikka Masala” und Co verputzt!

Ach ja: Der Spruch des Tages vom Sohnemann:

“Ihr habt ganz schön Glück, dass ihr so liebe und süße Kinder habt!”

Du kleener Schelm! Das haben wir wirklich!