16.März – Hallo Kapstadt

Die im “Angekommen”-Beitrag beschriebene schöne Dachterrasse gehört zum “Sweet Berries Guesthouse”, in dem wir untergekommen sind. Eines vorweg: Unbedingte Weiterempfehlung! Das Set Berries verteilt sich auf vier oder fünf Häuser, die alle im Stadtteil Seapoint liegen. Wir sind im “Sweet Ocean View” untergebracht. Auf der einen Straßenseite das Haupthaus, in dem drei Gästezimmer, ein gemütlicher Frühstücksraum und die tolle Dachterrasse untergebracht sind, auf der anderen Seite drei zuckersüße kleine Häuser in knalligen Farben. Als uns Moses unser Zimmer zeigt, sind wir erstmal platt: Wir können ein riesiges Wohnzimmer mit offener Küche und einen netten Außenbereich zusätzlich nutzen und da das zweite Zimmer in dem Haus nicht belegt ist, schwelgen wir im Platz. Das Haus ist toll eingerichtet – afrikanisch lässig. Sohnemann ist begeistert und hat ein tolles eigenes Bett. Von der Dachterrasse kann man auf den Atlantik und den “Lions Head” – ein Berg neben dem berühmten Tafelberg – sehen, Paraglider bewundern und sogar – bei klarer Sicht – die Bergstation der Tafelberg-Seilbahn erkennen.

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Am Ankunfts-Abend staunen wir dann nicht schlecht, als bei unserer Rückkehr nach einem ersten Erkundungsgang plötzlich ein Typ auf dem Sofa unseres Hauses sitzt, der es nicht für nötig hält, etwas anderes als “Hi” zu sagen. Äääähhh – Hallo?! Wer bist du?! Ich hab dann mal nachgefragt, ob er das andere Zimmer hat und ja: Das Zimmer ist doch noch vergeben worden. Schade… Man gewöhnt sich halt doch schnell an unerwarteten Reichtum. Das Beste war dann aber, dass er sich nachts unfassbar brüllend mit seiner Schnecke stritt. Ist ja nett, wenn da temperamentvoll Dispute ausgetragen werden, aber muss man das in einem hellhörigen Häuschen machen, wenn nebenan eine Familie versucht zu schlafen?! Die anderen Martins haben es zum Glück verpennt und ich eine Stunde lang meinen leichten Schlaf verflucht. Super!

Der erste Tag begann mit einem super Frühstück mit anderen Gästen zusammen an einem großen Tisch. (Nein, das zoffende Pärchen war nicht anwesend). Nach der Stärkung holte uns Miguel ab – kein Spanier, sondern ein Afrikaner, der mit uns eine längere Tour durch Kapstadt machte. Wir besuchten das “Castle of Good Hope”, eine alte Festung der Holländer, das Citycenter, die Company Garden (wo die Holländer und später die Briten ursprünglich Obst und Gemüse für die Schiffsbesatzungen anpflanzten), den Green Market (wo einfach nur unfassbar viel Souvenierschrott verkauft wird) und schließlich die Waterfront.

Miguel war super! Nett mit den Kindern, er erklärte viel und war interessiert am Gespräch. Wir fühlten uns sehr sicher mit ihm, den vor diesem ersten Spaziergang durch die Innenstadt waren wir doch noch unsicher – wie fühlt sich Kapstadt an? Wird man viel angequatscht? Fühlt man sich unwohl? Aber mit einem einheimischen Guide war man natürlich frei von all dem. Alleine an der Waterfront war es eh sehr touristisch und unspektakulär. Im Company Garden fütterte Miguel mit Max die frechen Eichhörnchen mit Nüssen und zeigte ihm einen tollen Spielplatz mit schaukelnden Baumhäusern, die unser Großer natürlich klasse fand. Er erklärte viel über die Zeit der Apartheid (übrigens: Wer wusste, dass Apartheid das Afrikaans-Wort für “Getrenntsein” ist?!) und die verschiedenen Rassen und Stämme in Afrika. Südafrika ist wahnsinnig multikulturell. 11 Sprachen werden hier gesprochen – neben Englisch, Afrikaans (das wie eine Mischung aus Englisch und Niederländisch klingt) und Xhosa auch zum Beispiel Zulu. Nelson Mandela wird verehrt und ist auch zwei Jahre nach seinem Tod überall präsent. Die Leute nennen ihn “Tata” – was so viel wie Papa bedeutet, oder bei seinem Clan-Namen “Madiba”. Die Trennung der Menschen ist noch nicht lange her – gerade einmal 20 Jahre. Und es braucht wohl noch zwei, drei Generationen, bis es wirklich ein gemeinsames Leben gibt. Man hat nur wenig Schwarze und Weiße zusammen gesehen, also beispielsweise an einem Kneipentisch. Man stelle sich das mal vor: Ein herunter fallender Bleistift entschied am Highcourt darüber, ob man weiß oder schwarz war. Das war ein ausgeklügelter Test. Nicht etwas die Hautfarbe war ausschlaggebend. Wer unbequem war, konnte auch als Weißer denunziert werden. Es gab getrennte Busse, Schulen, Parkbänke…

Nach der Tour spazierten wir an der Waterfront entlang. Das Hafengebiet ist der “Fisherman´s Wharf” in San Francisco sehr ähnlich. Im “Two Oceans Aquarium” bestaunten wir Joshi die Riesenschildkröte (Mann! War die lässig!), fies drein blickende Haie und mutige Taucher, die im Haibecken die Scheibe von INNEN putzten (auch ein blöder Job, oder?!). Auf dem Riesenrad amüsierte sich Max über seine Mutter, die beim scharfen Wind und der knarzenden Gondel etwas die Hosen voll hatte (aber die Aussicht war super!). Abends gab es im Food Market – eine Ansammlung internationaler Buden – für (Brei-Fetischisten lesen hier mal weg) Emma, Max, Paule und mich indische Samosas und spanische Empanadas, indisches Sandwich und tunesichen Burger. Ja auch Emma hat da geknuspert! Ich bin begeistert, was die Kinder alles probieren! Max hat ja schon mit 11 Monaten in einem indischen Imbiss in Hongkong seine Liebe zu indischem Essen entdeckt – aber ich finde es immer wieder cool, wenn der Knirps “Chicen Tikka Masala” und Co verputzt!

Ach ja: Der Spruch des Tages vom Sohnemann:

“Ihr habt ganz schön Glück, dass ihr so liebe und süße Kinder habt!”

Du kleener Schelm! Das haben wir wirklich!

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